Wettervorhersage mithilfe des Sturmglas

 

    Die Entstehung des Sturmglases war eindeutig mit der Wettervorhersage verbunden. Das Glas war nicht nur eine Erfindung der Fantasie, sondern ein Produkt, das im 19. Jahrhundert eine komplizierte Aufgabe lösen sollte – vorhersagen, welches Wetter in den nächsten bevorstehenden Tagen herrschen wird.

 

    Tatsächlich war dem so, als sich vor allem in England das Glas einer außergewöhnlichen Popularität erfreute und das dank seiner Propaganda durch Admiral R. Fitzroy. Dieser verfasste nachfolgende Beziehungen zwischen dem, was sich im Glas abspielte und dem bevorstehenden Wetter.
 
Der Admiral beschreibt:

    „Wenn die atmosphärische Strömung sich zum Norden hin wendet, dann vergrößert sich diese chemische Mischung. Falls diese aufmerksam, sogar mit einem Mikroskop, beobachtet wird, dann vergrößert sich die Mischung  in ihrem Umfang auch ähnlich dem Laub der Kiefer, der Eibe oder der Farne. Wenn sich aber  der Wind oder eine große Masse aus umgekehrter Richtung richtet, dann erweicht schrittweise die Linie oder überhaupt alle regelmäßigen, festen oder quelligen Umrisse und verkleinern sich, bis sie nicht sogar ganz verschwinden. Vor und während Südwinden lässt sich die Mischung langsam zum Grund des Glases herunter, bis sie ihre Gestalt verliert, ähnlich wie aufgelöster Zucker. "

Robert Fitzory bei der Untersuchung des Sturmglases

 
    So fängt die Passage aus dem Buch „Praktische Meteorologie des Admirals Fitzroy“, das in der Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckt wurde, an. Das erwähnte Sturmglas oder auch Stormglass war damals der Mittelpunkt der Interessen, denn die Wettervorhersage war gegründet auf Empirie und hier war ein gewisser Ansatz der Genauigkeit, auch wenn, wie ersichtlich, den Admiral nicht die Tatsache, dass er nichts über die Windstärke erfuhr, befriedigte. In seinen Aufzeichnungen erwähnt er auch:
 

    „Die chemische Mischung, die in der Ampulle verschlossen ist, hat sich besonders mit der Änderung der Windrichtung geändert, nicht aber durch die Windstärke, auch wenn sich diese ändern kann, aber durch eine andere Ursache, nämlich durch elektrische Spannung."

 
    Schauen wir jedoch in andere, längst vergessene Quellen. A Delenius gab im Buch „30000 neueste Entdeckungen, Rezepte, allgemein nützliche, praktische Erkenntnisse und zeitgenössische Forschungen…“ (erschien in Moskau im Jahr 1885) nicht nur quantitative Mischungszusammensetzung im Sturmglas an, sondern auch die Änderungen des Ampulleninhalts in Abhängigkeit des Wetters, was angeblich Admiral Fitzroy selbst abgeleitet hat:
 

" Eine klare Flüssigkeit prophezeit klares Wetter, eine  trübe hingegen Regen.

Eine trübte Flüssigkeit mit kleinen Sternchen prophezeit Gewitter.

Winzige Punkte prophezeien Nebel, nasskaltes Wetter.

Große Flocken im Winter prophezeien Schnee, im Sommer bewölkten Himmel und schwere Luft.

Fäden im oberen Teil der Flüssigkeit - Wind.

Kristalle auf dem Grund  - dicke Luft, Frost und Kälte. 

Kleine Sternchen vermerken im Winter bei klarem Wetter Schnee am zweiten oder dritten Tag.

Je höhere die Kristalle im Winter steigen, desto stärker wird der Frost sein."

 

 

    Es ist fraglich, ob diese Beziehungen in Zusammenarbeit mit Admiral Robert Fitzroy abgeleitet wurden oder diese aus seinen weiteren unveröffentlichten Aufzeichnungen hervorkommen…
 
    Als 1859 ein sehr starker Sturm die Britischen Inseln traf, distribuierte der Britische Königshof die Sturmgläser, bekannt als "FitzRoys Storm Barometers", unter viele kleine Anglerkommunen um die Britischen Inseln herum. Die Sturmgläser sollten zur Prädikation des Wetters und dem nachfolgenden Informieren der Schiffe vor dem Auslaufen aus dem Hafen dienen.
 
    Die Menschen versuchten das Wetter daraus abzulesen und es vorherzusagen, aufgrund dessen was sie in dem Glas gesehen haben. Sie wurden somit Zeugen der Entstehung mannigfaltiger kristallischer Gebilde, die sich wie „aus dem Nichts“ bildeten. Dann kamen aber auch solche Tage, an denen sie im Glas nicht sonderbares beobachteten. Gerade diese Anomalien beschäftigten ihren Geist so sehr, dass sie das Verhalten des Glases mit dem bevorstehenden Wetter in Beziehung setzten… und waren somit fähig vorherzusagen, welches Wetter herrschen wird… 
 
    Es vergingen fast 200 Jahre und es hat sich nichts geändert. Immer noch glaubt eine große Anzahl an Menschen, dass man mithilfe des Glases Wetter vorhersagen kann… sie sind sich nicht bewusst, dass die Hauptleitkraft dessen, was im Glas passiert, voraussichtlich die Änderungen der Temperatur in der Umgebung sind. Diese hängen zweifellos mit dem Wetter zusammen, man kann aber nicht denken, dass wir in der Lage sein werden, aus dem, was wir gerade in dem Glas sehen, einzuschätzen, welches Wetter auf uns zukommt…
 
    Das, was wir aus dem Inhalt des Glases fähig sind zu bestimmen, ist etwas, das man „Temperaturhistorie“ nennt... falls das Glas neue kristallische Gebilde, im Vergleich zum letzten Beobachten, beinhaltet, können wir sagen, dass es in den vergangenen Stunden oder Tagen zu Temperaturabweichungen Richtung nach unten gab. Falls wir schrittweise eine Auflösung – „Verschwinden“ der kristallischen Komplexe beobachten, ist dies ein Anzeichen dafür, dass es zu einer Temperaturabweichung Richtung nach oben kam. Dies ist im Grunde genommen im Einklang mit dem, was die japanischen Autoren in ihrer Arbeit aus dem Jahr 2008 in der Zeitschrift  Journal of Crystal Growth im Artikel "Pattern formation of crystals in storm glass" beobachteten und beschrieben.
 
    Dem Glas kann man jedoch nicht das Geheimnisvolle und die Tatsache, dass Einige mithilfe dessen angeblich wirklich das Wetter vorhergesagt haben, wegnehmen. Der bereits oben erwähnte Admiral Fitzroy, der sorgfältige Aufzeichnungen über den Verlauf der Änderung im Glas, im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Wetter, führte, hat die meisten dieser Beobachtungen mithilfe eines Mikroskops oder einer sehr starken Lupe getätigt. Es ist also möglich, dass man auf mikroskopischer Ebene die Änderungen, die mit dem bloßen Auge nicht wahrgenommen werden können und die auch damit zusammenhängen können, welches Wetter es geben wird, beobachten kann.

 

    Diese mikroskopischen Änderungen können zum besseren Verständnis dessen, wie es tatsächlich mit der Wettervorhersage mithilfe des Glases ist, führen...